Schwedagon Pagode, Yangon (Myanmar)

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Schwedagon Pagode in Yangon (Myanmar, Sept. 2013)

Burmesische Buddhistin vor einem Altar in der Schwedagon Pagode in Yangon. Die Burmesin schöpft Wasser mit einem Becher aus dem Wasserbecken um es anschließend über den goldenen Elefanten im Vordergrund des Altars zu gießen. Buddhistisches Ritual in Myanmar.

(Myanmar, September 2013)

      „An welchem Wochentag wurde ich geboren ?“

Ich wurde an einem Samstag geboren. Mein burmesisches Tierkreiszeichen ist der Drache und mein Planet ist der Saturn.

In der burmesischen Astrologie ist der Wochentag an dem ein Mensch geboren wurde wichtiger als das Datum (vgl. westliche Astrologie, die die Sternzeichen den Monaten des Jahres zuordnet – Wassermann, der Februar – Stier, der April, usw.) Der Glaube an die Astrologie verbunden mit dem buddhistischen Glauben ist in Myanmar stark verbreitet. Aufgrund astrologischer Hinweise werden Partner ausgewählt, wichtige Ereignisse wie Hochzeiten u.a. arrangiert oder größere Vorhaben, wie Hausbau oder Berufswahl bestimmt. Eine neue Bekanntschaft wird oft nach ihrem Wochentag befragt, damit sich ein Burmese einen ersten Eindruck von einem Menschen machen kann.

Die große (circa 60 000 qm) Plattform auf der die Pagode steht kann von vier überdachten Aufgängen, jeweils einer in einer Himmelsrichtung, betreten werden. Der Südaufgang ist vielleicht der bekannteste – er ist die direkte Verlängerung der Schwedagon Pagoda Road.

104 Stufen oder sind es 165 Stufen (?) führen nach oben. Rechts und links von den Treppen befinden sich kleine Läden in denen Opfergaben, kleine Buddhastatuen, Devotionalien, Kerzen und Souvenirs gekauft werden können.

Kreisförmig um die Pagode herum und nach den Himmelsrichtungen ausgelegt steht für jeden Wochentag ein buddhistischer Altar: eine Buddhastatue, das Tierzeichen, das den Wochentag symbolisiert und der dazugehörige Planet.

Insgesamt gibt es acht dieser Wochentag-Altäre, weil die birmanesische Woche acht Tage hat. Der Mittwoch gilt als zwei Tage, einer vormittags, der andere nachmittags.

Der Tiger ist dem Montag zugeordnet, Dienstag ist der Tag des Löwen, Mittwoch-Vormittag wird von einem Elefanten mit Stoßzähnen, der Mittwoch-Nachmittag von einem Elefanten ohne Stoßzähne symbolisiert, die Ratte ist das Tier am Donnerstag, am Freitag ist es ein Meerschweinchen, der Samstag gehört der Drachenschlange Naga und der Sonntag dem mythischen Vogel Garuda. Jedes Tier, bzw. der ihm zugeordnete Planet, steht für positive wie negative Eigenschaften, die dem an diesem Tag Geborenen zugeordnet werden. So steht z.B. Garuda für Kraft aber auch für Geiz. Naga bedeutet Streitsucht aber auch Friede und Wohlstand. Es gilt die negativen Eigenschaften positiv umzusetzen. (…) Die Schreine der Tiere sind in einer genau vorgegebenen Himmelsrichtung platziert. Im Norden steht das Meerschweinchen, im N-O Garuda, im O der Tiger, im S-O der Löwe, im S der Elefant mit Stoßzähnen, im S-W Naga, im Westen die Ratte und im N-W der Elefant ohne Stoßzähne.“

(zitiert nach Stefan Loose, Myanmar (Birma), DuMont Reiseverlag: 2012, S. 101.)

Auf meinem Beitragsbild oben ist eine Burmesin am Mittwoch-Vormittag-Altar zu sehen. Der Mittwoch hat einen goldenen Elefanten mit Stoßzähnen. Burmesen bringen Opfergaben an ihren Wochentag-Altar und überschütten die dort aufgestellten Buddhas und die jeweiligen Tiere mit Wasser. Jeder Altar hat ein Wasserbecken und diverse kleine silberne Becher zum Verschütten des Wassers.

Die Schwedagon Pagoda ist die bedeutendste Pagode in Myanmar und eine Pilgerstätte für Buddhisten aus aller Welt. Viele Buddhisten wünschen sich, einmal in ihrem Leben in der Schwedagon Pagode zu beten und zu meditieren.

Auf dem Gelände rund um die Pagode gibt es viele kleinere Tempel und Andachtshallen mit größeren Buddhafiguren. Dazwischen stehen Opferaltäre und kleine Pavillions zum Beten.

Die Plattform ist mit schwarzem und weißem Marmor ausgelegt. Um sich ein buddhistisches Verdienst zu erwerben, reinigen einige gläubige Burmesen den Boden.

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Der Rundgang soll aus Respekt vor den Burmesen im Uhrzeigersinn durchgeführt werden. Der Kreis, den man dabei beschreitet,

gilt als Symbol der magischen Kraft, als Sinnbild des Schicksals, der Urkraft und des Urrhythmus, die den Menschen und den Alltag umschließen und zur Kreismitte führen“

(zitiert aus: Brigitte Blume, Myanmar, Birma, Burma, Reise Know-How Verlag: Mai 2013.)

Als ich die Schwedagon Pagode im September 2013 besichtigte fing einer der legendären Monsumregenfälle an. Menschen flüchteten unter die Teile der Pagode, die überdacht waren. Dicht gedrängt standen Mönche, Burmesen und einige wenige Touristen aus aller Welt unter den Dächern der vier Aufgänge zur Pagode. Heftige Wassermassen prasselten auf die Pagodenplattform, Bäche von Wasser rannen über die Dachrinnen, Regenschirme wurden aufgespannt, die Treppenaufgänge wurden nass, die Treppen glitschig. Die goldene Pagode wurde von im Wind wehenden Regengüssen verschleiert.

Nach einiger Zeit des Wartens wurde ich ungeduldig und wagte mich in das Pagodengelände hinein. Ich machte meine ersten Fotografien. Die Kamera wurde nass, die Objektive beschlugen – an einen Regenschutz für die Kamera hatte ich beim Packen meines Rucksacks nicht gedacht.

Die Schwedagon Pagode im Monsumregen:

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Ich suchte und fand meinen Wochentag-Altar, den Samstagsaltar. Eine goldene Buddha-Figur mit einem Drachen (oder Naga). Als der Regen etwas nachgelassen hatte, nahm ich einen der silbernen Becher, füllte ihn mit Wasser und begoss den Drachen. Eine burmesische Reiseführerin lief mit aufgespanntem Regenschirm zu mir und klärte mich darüber auf, dass ich immer eine ungerade Zahl für das Verschütten des Wassers benutzen solle und dass auch der Buddha-Kopf begossen werden muss.

Außerdem musste ich erfahren, dass ich mit dem Drachen und vor allem mit dem Saturn in keine glückliche oder glücksverheißende Konstellation hinein geboren worden bin. Der Saturn macht Schwierigkeiten und so wird dieser Altar auch von anderen „Wochentags-Buddhisten“ regelmäßig mit Wasser begossen, um den Saturn „friedlich“ zu stimmen und die starken negativen Einflüsse des Planeten zu besänftigen. Daraufhin begoss ich den Buddha-Kopf 3 Mal mit Wasser und den Drachen 5 Mal mit Wasser.

Myanmar

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Schwedagon Pagode in Yangon (Myanmar, Sept. 2013)

Myanmar (September 2013): Schwedagon Pagode in Yangon.

Myanmar das ist das Land der goldenen Pagoden und weißen Stupas, das Land der gläubigen Buddhisten, das Land der saftig grünen Reisfelder aber auch das Land einer sozialistischen Militärregierung, das Land der Mönchsaufstände von 2007, das Land von Lady Aung San Suu Kyi, die den Friedensnobelpreis (2012) für ihr mutiges Engagement für mehr Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte in Myanmar erhielt, …Myanmar das ist aber vor allem ein Land von unglaublich freundlichen und liebenswerten Menschen.

Myanmar war lange Zeit international isoliert und als Reiseland schwer zugänglich. Erst seit einigen Jahren öffnet sich das Land für den Tourismus. Die Menschen in Myanmar sind den Massentourismus noch nicht gewöhnt, die Infrastruktur ist erst in einigen Regionen für den Tourismus angelegt, die Straßenverhältnisse sind in weiten Teilen des Landes schlecht, die Züge sind in einem alten und oft schrottreifen Zustand, das Internet ist nicht überall zugänglich und wenn nur sehr verlangsamt.

Ich selbst habe Myanmar zum ersten Mal im September 2013 mit dem Zug bereist. Die sogenannte „klassische Route“:

Von Yangon nach Taungoo, von Taungoo nach Mandalay, von Mandalay nach Lashio und Mingun und wieder zurück, von Mandalay nach Monywa, von Monywa nach Pho Win Taung und Schwe Ba Taun und wieder zurück, von Monywa nach Bagan.

Bagan:

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Wie so viele andere Reisende habe ich mich in dieses Land, seine wunderbaren Menschen und die für mich noch immer geheimnisvolle Kultur verliebt. Myanmar ist zu meinem Sehnsuchtsland geworden. Ein Gefühl von Ursprünglichkeit und Authentizität hat mich auf dieser Reise immer begleitet. Das liegt auch daran, dass Myanmar noch kein Land für den Massentourismus ist.

In den Städten Yangon und Mandalay werden schon die ersten westlich geprägten Werbeplakate aufgehängt. Werden sich in Zukunft die Burmesinnen nach diesem vollkommen fremden Schönheitsideal richten? Werden sie aufhören, sich täglich ihr Thanaka anzurühren und auf ihre Gesichter und die Gesichter ihrer Kinder zu streichen? Werden die Männer in Zukunft weiter ihre Longyis tragen, öffentlich um ihren Körper wickeln, das Portemonnaie im Rücken eingeklemmt?

Geplante Beiträge:

– Schwedagon Pagode: „An welchem Wochentag wurde ich geboren ?“

– Thanaka: die traditionelle Gesichtsbemalung in Myanmar

– Buddhismus und Geisterglaube in Myanmar

– Die 729 Mamortafeln in der Kuthodaw Pagode in Mandalay

Bevor man nach Myanmar reist, sollte man sich beim Auswärtigen Amt über Myanmar und die aktuelle politische Lage informieren. Noch immer gibt es Konflikte der Regierung mit den Minderheiten, noch immer sind einige Regionen in Myanmar Sperrgebiet und nicht zu bereisen.

In vielen Reiseführern steht der Hinweis, in Myanmar mit der Bevölkerung nicht über Politik zu sprechen. Wie mir eine burmesische Reiseführerin bestätigte, fühlen sich Burmesen noch immer nicht frei, ihre persönlichen politischen Meinungen öffentlich mitzuteilen. Gerade die Burmesen, die jetzt in der noch relativ neuen Tourismusbranche tätig sind, müssen vorsichtig sein. Einigen Reiseführern wurde schon der Job gekündigt, weil sie sich im Kontakt mit ausländischen Touristen, offen zu politischen Themen geäußert haben.

Länderinformation des Auswärtigen Amtes über Myanmar:

www.auswärtiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Myanmar

Menschenrechtsverletzungen in Myanmar (Amnesty International):

www.amnesty.de/jahresbericht/2013/myanmar

www.amnesty-myanmar.de/Main/Aktuell

Reiselektüre:

Christiane Neudecker: Nirgendwo sonst. München: 2010

George Orwell: Burmese Days. London: 2009

Amy Tan: Der Geist der Madame Chen. München: 2008

Amitav Ghosh: Der Glaspalast. München: 2002

Reiseführer:

Myanmar (Birma): Stefan Loose Travel Handbücher.

Myanmar, Birma, Burma: Brigitte Blume, Reise Know-How.

Reiselandkarte:

Von Reise Know-How: Myanmar Landkarte 1:1,5 Mill.